Ich höre immer wieder, dass dem einen oder anderen Blogger der Standard Backend Editor von Wordpress & Co. zu umständlich ist. Das mag daran liegen, dass Otto-normal-User die Erwartung hat, dass der TinyMCE die Online Version der bevorzugten Desktop Textverarbeitung ist oder daran, dass man einem das Prozedere den Browser zu starten, Seite mit der damit verbundenen Ladezeit aufrufen, ins Backend einloggen, zur Eingabemaske wechseln, Artikel schreiben und veröffentlichen einfach ein paar Schritte zuviel sind.
Aber zu dieser Vorgehensweise gibt es ein paar Alternativen, die ich für (für euch) testen möchte.
1. Windows Live Writer
Unser erster Proband ist der Windows Live Writer, der auch gleich für das Verfassen dieses Artikels genutzt wird. Das Tool wird kostenlos als Bestandteil von Windows Live zu Verfügung gestellt – und ist auch nur als Windows Version erhältlich.
Die Installation
Der Download des ca. 2,5 MB großen bzw. kleinen Paketes ging flott vonstatten. Am Anfang der Installation offeriert mir Microsoft noch diverse zusätzliche Applikationen wie Windows Live Fotogalerie, – Live Home, – Live Messenger, -Live Mail und – Live OneCare Family Security. Ich bin neugierig, und entscheide mich erst mal alles zu installieren. Das anschließende Überprüfen, ob schon “Live Applicationen” auf meinem Rechner installiert sind und der Download aller Komponenten dauert ein ganzes Weilchen aus dem Gefühl würde ich sagen ca. 4-5 Minuten mit DSL 16.000. Aber auch das Prozedere geht vorbei und ich kann den Live Writer endlich starten. Als erstes werde dazu aufgefordert, den Dienst, der meinen Blog verwaltet einzugeben bzw. im Falle der Selbstverwaltung bzw. eines eigenes Hosting keinen Anbieter anzugeben. Nach Eingabe der URL und der Zugangsdaten erkennt Live Writer, dass es sich bei mir um einen Wordpress betriebenen Blog handelt. Jetzt es kann losgehen.
Der erste Eindruck:
Das Programm wirkt aufgeräumt und recht intuitiv. Ich sehe den Aufbau des Contentbereiches wie im CSS meines Blogs definiert und auch die Text-Formatierungen werden übernommen. Elemente wie Header oder Sidebar Module werden nicht angezeigt. Alternativ kann man auch zu einer “normalen” Editoransicht, einer Quelltextansicht oder einer Webseitenvorschau inkl. allem wechseln – wobei bei Letzterer das Editieren nicht mehr möglich ist.
Die in Wordpress angelegten Kategorien werden automatisch ausgelesen und lassen sich wie gewohnt via Checkbox dem Artikel zuweisen. Auch weitere Optionen, die aus der Wordpress Eingabemaske bekannt sind wie Tags, Pings und Trackback-URLs, Kurzfassung, etc. lassen sich direkt in Live Writer definieren.
Beiträge verfassen & veröffentlichen
Der Editor verfügt über eine deutsche Rechtschreibprüfung, was durchaus von Nutzen ist, vor allem wenn bei Tastatur-Grobmotorikern wie meiner Wenigkeit. Bei Auswahl eines als falsch erkannten Wortes kann man das selbige mit dem Textwerkzeug auswählen und erhält bei einem Rechtsklick Vorschläge aus dem integriertem Wörterbuch.
Das Einfügen von Bildern gestaltet sich einfach und man hat die Möglichkeit in den Voreinstellungen festzulegen, ob man die Bild-Daten via Wordpress oder FTP auf den Server schieben lassen möchte. Neben den “Standardoptionen” für Bilder wie das definieren von Breite und Höhe, das festlegen von Abständen und das festlegen eines Links hält Live Writer noch einige andere Gimmicks bereit; so kann man dem Image einen Rahmen geben oder es mit einem “Fotopapier-Effekt” versehen. Weiterhin kann man das Bild mit Effekten wie Schwarz-Weiß Umrechnung, Relief o.Ä. modifizieren – wobei diese speziellen Effekte im Moment noch nicht so richtig funktionieren wollen.
Ein Kritikpunkt ist, dass die Bildausrichtung via “align” stattfindet, ein “float” wäre m. E. angemessener, grade angesichts dessen, das die Image-tags sowieso eine Style Anweisung mit “margin” für die Abstände mitbekommen. Hier erweist sich — mal wieder — die Möglichkeit als nützlich, direkt in den Quellcode einzugreifen und die float Eigenschaft händisch einzutragen.
Das Schreiben an sich ist aufgrund der oben erwähnten Tatsache, dass der Contentbereich der Webseite mit den relevanten Elementen wie Breite des Artikelcontainers und Textformatierungen wie im CSS definiert beim verfassen korrekt angezeigt wird sehr angenehm. Allerdings würde dem Editor eine Schaltfläche gut tun, typographisch sauberer zu arbeiten; für mich gehören dazu z.B. typographische Sonderzeichen, Gedankenstriche statt Bindestriche etc. Dieses Manko lässt sich über ein optionales Plugin für das einfügen von Sonderzeichen zwar beheben bzw. man in dieser Stelle mal wieder per Hand in den Quellcode eingreifen, aber schöner wäre es natürlich, wenn man in den Programmvoreinstellungen einen entsprechenden Eintrag machen könnte …
Ein weiteres Plus ist sicherlich, dass man einen Beitrag jederzeit Lokal als Entwurf zwischenspeichern kann
Pro und Kontra
+ trotz vieler Funktionen recht übersichtlich
+ rudimentäre Bildbearbeitung möglich
+ durch Plugins erweiterbar
+ Unterstützung vieler Blog-Systeme
+ einfache Konfiguration
- ältere Artikel werden nicht ausgelesen und sind nicht bearbeitbar
- per default keine Sonderzeichen über Editor
- Bilder werden über “align” augerichtet (nicht xtml strict valide)
- Bilder werden mit border-Attribut versehen (nicht xtml strict valide)
- nur für Windows erhältlich
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